Die Zeit mit den jungen Schleiereulen geht vorbei

und man sieht sie nur noch kurze Zeit nach dem Ausfliegen zusammen. Sie unternehmen schon weite Ausflüge, sodass das Zeitfenster, sie zu fotografieren, ohne ein Blitzlicht verwenden zu wollen, extrem klein geworden ist. Kaum sind sie abends ausgeflogen, zeigen sie sich nicht mehr lange. Man sieht sie dann die Straße im Tiefflug entlang fliegen, bis sie in der Dunkelheit verschwinden und lange weg bleiben. Wenn man aber einmal das Glück hat, sie zu erwischen, dann sieht man ihnen direkt ihre Lebensfreude an. Wie ein Papagei balancieren sie dann fast senkrechte Äste mit schlagenden Flügeln empor und beäugen neugierig mit wippendem Kopf ihre Umgebung. Wenn das Licht keine Aufnahmen mehr zulässt, die Eulen nicht mehr zu sehen sind und der Bodennebel langsam steigt, packe ich meine sieben Sachen ein und fahre zufrieden heim und merke, dass der Herbst vor der Tür steht.

 

Bevor es herbstlich wird

und die Abende ungemütlich und nass, wollte ich nochmal bei den Schleiereulen vorbei schauen. Mittlerweile können beide Jungvögel fliegen und zeigen sich pünktlich vierzig Minuten nach Sonnenuntergang am Ausflugloch, um dort die Gegend zu beobachten. Eigentlich ist das Ausflugloch viel zu klein, für die beiden, aber Schleiereulen sehen gerupft wahrscheinlich eher aus wie die Hähnchen Witwe Boltes, aus Max und Moritz von Wilhelm Busch. Nur ihr aufgeplustertes flaumiges Federkleid lässt sie so massig erscheinen und der herzförmige Schleier, wirkt wie eine Parabolantenne zum zielsicheren aufspüren von Mäusen in der Dunkelheit. Wenn sie sich dann in den Nachthimmel begeben kreisen sie oft um die Scheune und setzen sich aufs Dach, wo manchmal eines der Elterntiere wartet und den Nachwuchs noch füttert. Ein spektakuläres Schauspiel und wunderschön anzuschauen, wäre es nicht schon viel zu dunkel um es zu fotografieren. Nur noch wenige Wochen, dann werden die jungen Schleiereulen aus dem Revier vertrieben und finden bei genügendem Nahrungsangebot  hoffentlich eine alte Scheune in der Nähe, um sich dort anzusiedeln.

 

Wenn sich der Tag dem Ende neigt

und Ruhe auf dem Hof einkehrt, erwacht im Giebel des Stalles die Schleiereule zum Leben und schaut aus ihrem Unterstand um auf Jagd nach Mäusen zu gehen. Besonders in windstillen Nächten fliegt sie im Tiefflug über Wiesen und an Wegen entlang, oder wartet auf Pfählen auf Geräusche ihrer Beute. Bei starkem Wind oder Regen fällt die Jagd deshalb aus. Plötzlich erscheint sie im Ausflugloch und schaut hinaus, nachdem sie zu Beginn der Dämmerung langsam wach geworden ist. Dann mustert sie mit wippendem Kopf die Umgebung entlang des Scheunengiebels, bis sie ausfliegt und zuerst irgendwo in der Nähe landet. Oft hört man sie direkt vom Scheunendach von wo aus sie die Umgebung sondiert. Dabei zischt und faucht sie und es klingt gar unheimlich. Nur schemenhaft sieht man sie dann im letzten Abendlicht dahinfliegen.