Der Sperlingskauz

Der Sperlingskauz ist die kleinste europäische Eule. Das Männchen misst etwa 16-17 cm, bei einem Gewicht von etwa 59g, das Weibchen ist geringfügig größer und misst etwa 18-19 cm, bei einem Gewicht von 69g, und vor dem Brutbeginn etwas mehr. Seine Flügelspannweite liegt bei etwa 35 cm (♂) und 38 cm (♀).

Der Sperlingskauz ist ein dämmerungs- und tagaktiver Vogel, was ihn von anderen Eulen unterscheidet. Den markanten Balzgesang des Männchens, kann man im März gut 500m hören, wenn er sein „tüüüt tüüüt“ durch den Wald, wie von einer Blockflöte gespielt, pfeift. Das Weibchen hat einen sehr hohen länger anhaltenden Piepston, der von der Tonhöhe fast in den Ultraschallbereich reicht und somit schwerer zu hören ist. Dennoch kann man sie auch mindestens 50m weit hören, wenn sie am kommunizieren oder betteln ist. Außer zur Balz ruft das Männchen, um sich mit Beute vor der Höhle anzukündigen. Der Sperlingskauz balzt außer zur Frühjahrsbalz, auch im September und Oktober, wenn die Reviere, die einen Radius von ungefähr 500 m haben, bestätigt und rigoros gegenüber Artgenossen verteidigt werden.

Lebensraum

Der Sperlingskauz lebt in großen nicht zu dichten Nadelwäldern, oder Mischwäldern mit großem Nadelholzanteil, dem sogenannten borealen Nadelwaldgürtel der Erde, der von Skandinavien über Sibirien, den deutschen Mittelgebirgen und kleinen Anteilen im norddeutschen Flachland reicht. Hier dienen ihm alte Fichten oder Kiefern die nicht zu sonnig stehen und in denen es Buntspechthöhlen gibt, als Brutbaum und dort findet man ihn auf kleinen Ästen am Stamm sitzend, die Umgbung nach Beute beobachtend, die er dann im Sturzflug oder Überraschungsangriff überwältigt. Ebenso braucht er als Lebensraum Inseln mit vorwiegend dichtem jungem Nadelgehölz, um sich zu verstecken, auszuruhen, zu übernachten und als Versteck für die Jungvögel, nach dem Ausfliegen aus der Höhle.

Nahrung

Der Sperlingskauz ernährt sich vorwiegend von Mäusen (Wühl, Rötel, Waldspitz- und Erdmaus), greift aber in Jahren, in denen es wenig Mäuse gibt und insbesondere zur Brutzeit, genauso auf Kleinvögel, bis zur Amsel oder dem Kleinspecht, zu. Ebenso verschmäht er nicht kleine Amphibien und bedient sich an fremden Nestern. Die Beute platziert er in Nestnähe auf Fichtenästen, in Astgaben, auf Pfählen zur Übergabe an das Weibchen, die die Fütterung des Nachwuchses übernimmt. Ein Einbringen von Beute in andere Spechthöhlen als Depot, so wie es aus den schneereichen Wäldern Skandinaviens beschrieben ist, konnte ich im Flachland Schleswig-Holsteins nicht feststellen. Der Beute wird oft zuerst der Kopf abgetrennt, bevor sie an’s Weibchen zur Einbringung in die Höhle übergeben wird.

Fortpflanzung

Die Frühjahrsbalz beginnt bereits im Februar, in dem das Männchen in seinem Revier durch seinen Balzgesang das Weibchen anlockt. Oft hört man es insbesondere etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang oder eine Stunde nach Sonnenuntergang in klaren, windstillen Winternächten weit durch den Wald. Im Verlauf der Balz wird das Weibchen immer näher in Richtung der vom Männchen präferierten Höhle gelockt. In Höhlennähe findet dann in den letzten Märztagen die Begattung, die Kopulation, statt. Gegen Anfang bis Mitte April zeigt das Männchen dem Weibchen die Höhle, in dem er sie auffordert hinterherzufliegen, er die Höhle anfliegt, dort ein paar Minuten verbringt, hinausfliegt und sie dann  auffordert hineinzufliegen. Das Weibchen entscheidet letztendlich, ob sie die Höhle annimmt. Hat sie die Höhle für gut befunden, beginnt sie in den Folgetagen mit dem Legen der Eier. Erst einige Tage später, wenn das letzte Ei gelegt wurde, beginnt sie mit der Brut. Das Nest hat sie in der Zwischenzeit mit Federn von Beutevögeln und dem Fell von Mäusen zu einem ca. einem cm dichten Filz warm ausgepolstert, um dem zeitweilig sehr kalten Aprilwetter zu trotzen. Nur zur Nahrungsaufnahme verlässt sie die Höhle und wird vom Männchen etwa ein bis zwei mal am Tag versorgt. Mitte April werden dann durchschnittlich 3-7 reinweiße, eher rund-elyptische Eier gelegt. Im guten Mäusejahr 2018, waren es gar 8 Eier, die dann 28-30 Tage bebrütet wurden.

Hält sich das Männchen zu Beginn der Brut vorerst noch hauptsächlich im Bereich des Höhlenbaums auf, ist er in der zweiten Hälfte der Brut meistens im Wald unterwegs, um Beute zu schlagen und ein Depot anzulegen. Astgabeln, breite Fichtenzweige oder Pfähle eignen sich gut, um Beutevögel oder Mäuse darauf abzulegen. Sobald die jungen Sperlingskauze geschlüpft sind, fliegt das Weibchen auch mal länger als ein paar Minuten aus, hält sich aber immer mit Blick auf die Höhle im Umkreis von ca. 30m auf. Immer wieder fliegt sie die Höhle an, schaut nach dem Rechten und beginnt nun mit dem Austragen von Unrat, überflüssigem Beutefedern und Filz, damit der Höhlenboden nicht zu hoch aufgehäuft wird und der Marder mit seinen langen Beinen nicht hineinlangen. kann. Anfang Juni sieht man dann erstmalig die jungen Sperlingskauze aus der Höhle schauen. Zuerst zaghaft, kann man sie nun immer öfter sehen. Ganz im Gegensatz zum Männchen, der nun ständig auf Beutejagd ist. Die Beute wird hauptsächlich im Unterholz oder hoch in den Baumwipfeln übergeben.

Die Stunde des Ausflugs der jungen Sperlingskauze gegen Mitte Juni, wird oft eingeleitet durch ein Signal des Männchens, der mit Beute kommt und diese dann an das Weibchen übergibt. Der stärkste, der jungen Höhlenbewohner, der gerade am Höhleneingang in den Wald schaut, kann  der Verlockung das es Nahrung gibt nicht widerstehen und flattert nachdem er vorher mal mehr oder weniger lang heftig gebettelt hat in den nächstbesten Baum. Oft landet er genau so plump an einem Stamm, an dessen Borke er sich dann mit seinen Krallen festkrallt und flatternd versucht daran hochzuklettern um in sichereres, dichtes Unterholz zu gelangen. Dabei fliegt ihm das Weibchen in der Regel nicht entgegen, sondern er muss selbst sehen, dass er irgendwie zur Beute des Weibchen kommt.

Der Ausflug der Jungvögel findet schubweise, aber oft über Tage versetzt statt. In der Zwischenzeit füttert das Weibchen sowohl die Ausgeflogenen, in dem sie die Beute zerreißt und portioniert, als auch die restlichen in der Höhle verbliebenen Jungvögel.

Erst wenn alle Vögel ausgeflogen sind und sich vornehmlich im sicheren Unterholz einer Dickung, oder hoch im dichten Nadeldach der Fichten aufhalten, übergibt das Männchen die Beute direkt an die bettelnden Jungvögel, die nun je nach Zeitpunkt ihres Höhlenausflugs weiter entwickelt sind und bessser fliegen können, als die Nachzügler. Der Abstand zur Bruthöhle unter den Jungkauzen wird nun immer größer und sie entfernen sich auch immer weiter voneinander. Wer zuerst beim mit Beute eintreffenden Altvogel ist, bekommt zuerst und am meisten Nahrung ab. Eine gerechte Aufteilung der Beute findet nun nicht mehr statt. Instinktiv jagen sie nun auch selbst nach Mäusen, lassen sich aber gerne noch vom Männchen versorgen. Nach etwa vierzehn Tagen verliert sich die Spur der Familie und die Schaar ist noch etwa vier bis sechs Wochen im Revier des Männchens sporadisch zu sehen. Das Weibchen tritt nach dem Ausflug der Jungvögel immer weniger in Erscheinung. Sie muss sich von den Strapazen der Brut und Aufzucht erholen und die Mauser beginnt alsbald. Innerhalb der letzten drei Monate hat sie bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts verloren. Das Männchen übernimmt nun die Versorgung, bis es im Hochsommer selbst mausert.

Nach ein bis zwei Wochen, Ende Juni, hört man nur noch vereinzelt Bettelrufe, das Wiederfinden der Ausgeflogenen wird nun schwer.

Schutz

Kennzeichnung und Kartierung von Höhlenbäumen und Information der Forstverwaltung. Erhaltung von naturnahen und störungsarmen Nadelholzwäldern mit genügend vorhandenem Altholzbestand, vor allem Fichte und Kiefer. Nach Möglichkeit naturnahe Bewirtschaftung des Waldes (Plenterwirtschaft).