Auch die Natur ist manchmal ungerecht

– natürlich wissen wir das, aber irgendwie lesen wir doch lieber ein Happy End. Jedoch soll es das in dieser kleinen Geschichte vom Sperlingskauz nicht geben.

Seit der letzten Brut im Jahr 2016, habe ich die Sperlingskauze das ganze Jahr begleitet. Immer mal wieder bin ich in den Wald gefahren und habe gehört, manchmal auch geschaut, ob sie noch da sind. Den Winter haben sie gut überstanden und mich hat es sehr gefreut, als sie Anfang März begannen zu balzen. Sogar die alte Höhle wurde bebalzt und ich konnte sehen, wie ein Brautgeschenk in Form eines toten Singvogels vom Männchen in die Höhle gebracht wurde. Frau Sperlingskauz schaute aus ihrem alten Ansitzbaum, der Lärche, dabei zu. Doch kurze Zeit später machte sich ein Raufußkauz ganz in der Nähe breit und balzte ebenso. Natürlich freute mich das sehr, doch Familie Sperlingskauz fand das dann doch etwas zu aufdringlich und suchte sich 400 Meter weiter eine neue Bleibe.

Es dauerte einige Tage, bis ich die neue Höhle gefunden hatte. Sie lag in einem lichten Altfichtenwald und wenn die Sonne morgens zwischen den Stämmen hindurch schien und leichter Nebel aufkam, hatte das etwas von Märchenwald. Ich freute mich und alles sah nach dem gleichen Brutablauf aus, wie im letzten Jahr.

Vor Ostern sah ich abends einige Male das Weibchen aus der Höhle schauen und selbst eine Attacke eines Baummarders, konnte dem Weibchen in der sicheren Buntspechthöhle nichts anhaben. Jedoch vermisste ich das Männchen und obwohl ich einige Stunden vor Ort verbrachte, ward es nicht gesehen. Karfreitag stattete ich den letzten Besuch vor Ostern ab und konnte abends sehen, wie das Weibchen abermals aus der Höhle schaute und urplötzlich in eine Dickung abflog. Eigentlich ist das nichts aussergewöhnliches, jedoch fehlten die Rufe des Männchens, die dem Weibchen signalisierten, dass es Nahrung gibt. Als das Weibchen nach zwei Stunden nicht zurück war, hatte ich eine leise Vorahnung, die sich nach Ostern verstärken sollte.

Gestern und heute verbrachte ich abermals einige Stunden an der Höhle, jedoch waren von Männchen und Weibchen keine Spur zu sehen und zu hören. Nachmittags kontrollierten wir dann die Höhle mit der Höhlenkamera des Landesverbandes Eulenschutz und entdeckten 5 höchstwahrscheinlich verlassene Eier. Auch der Einsatz der Klangattrappe, die wir zur Brutzeit normalerweise nicht nutzen, brachte keine Reaktion. Das Weibchen muss das Nest verlassen haben.

Als mögliche Störungsquelle kommt der Baummarder in Betracht, der vielleicht zuviel Stress allnächtlich verursacht hat oder, und das ist meine Vermutung: Das Männchen als Ernährer fiel einem anderen Prädator zum Opfer, sodass das Weibchen nach einigen Tagen das Nest und damit die Brut aufgeben musste.

Für mich ist diese Geschichte schmerzlich, aber sie findet alltäglich in der Natur statt.

Schleswig-Holstein das Steinkauzland

sollte man meinen. Jedoch trifft das leider nicht zu. Der Steinkauz liebt offene Kulturlandschaften, die durchzogen sind mit Feldgehölzen, Streuobstwiesen und alten Kopfweiden, in denen er Höhlen findet zum Nisten. Dazu ganzjährig bewirtschaftete Kuh- oder Pferdewiesen, auf denen das Gras kurz ist und er Käfer, Regenwürmer und Mäuse als Nahrung findet. Bedauerlicherweise sind diese Bedingungen in der durch die heutige Landwirtschaft mit ihren auf Höchsterträgen ausgerichteten Betrieben, denkbar schlecht und zuviel Grünland wurde in der Vergangenheit in riesengroße Ackerflächen umgewandelt und so verschwand der Steinkauz aus unserem Dorfleben, zu dem er jahrhunderte gehörte. Leider auch aus Kisdorferwohld, meinem Wohnort.

Und doch gibt es in Schleswig Holstein Regionen, in denen er noch vorkommt. Regionen, in denen sich engagierte Bürger um den Steinkauz bemühen und ihm ein Ambiente schaffen, in dem er leben kann. Dazu reichen oft kleine Maßnahmen, wie ihm geeignete Nisthilfen zu schaffen, Streuobstwiesen zu erhalten, alte Weiden sachgerecht zu schneiden und Grünlandflächen zu erhalten.