Der spannende Moment

war heute Morgen. Ich war wie jeden Tag, schon früh morgens bei meinen Sperlingskauzen und merkte gleich, dass heute irgend etwas anders ist. Das Weibchen saß  nicht wie sonst gewöhnlich an ihrem Stammplatz, von wo aus sie die Beute des Männchens übernahm oder zwischenparkte, sondern in einer hohen Fichte und war bereits früh morgens am Rufen. Sie wechselte dabei ihre Position öfters in den Bäumen der näheren Umgebung der Höhle.  Um 9:25 Uhr war es so weit: Nr. 1 steckte seinen Kopf weit aus der Höhle und man merkte gleich, dass er es dieses mal Ernst meint. Mit einigen Anläufen ging plötzlich alles sehr schnell. Er schob seinen Kopf durch den Höhleneingang, stieß sich mit den Hinterbeinen ab und blitzschnell flatterte er in eine Fichte am Rand des Dickichts, in dem auch des Elternpaar gerne Unterschlupf sucht. Dort landete er sicher, saß etwas verdutzt über die eigene Leistung auf einem Fichtenast, krabbelte dann aber weiter in die Fichtenmitte und flatterte ins Unterholz. Aus dieser Richtung hörte ich das Weibchen, die eine Maus geschlagen hatte, wie ich kurze Zeit später sah. Leider bekam ich die Fütterung nicht mit.

Bald hat sich mein Einsatz bei den Sperlingskauzen erledigt. Im Auftrag des LVE protokollierte ich minutiös sämtliches Treiben an der Brutstelle, führte Buch über die eingebrachte Beute, kontrollierte die Höhle mit einer Höhlenkamera. Ich fror bei den letzten Schneefällen im März an der Bruthöhle, habe mich so manches mal beim Einnicken ertappt und verkroch mich vor der sengenden Sonne, der letzten Tage.

Das Weibchen wurde zwischenzeitlich durch einen Beringer des LVE beringt. Nun geht mein Einsatz dem Ende entgegen. Ich hoffe noch einige Fotos von den Sperlingskauzen machen zu können, bevor sie ihre Wege fliegen.

Junger Sperlingskauz, kurz, nachdem er seine Bruthöhle verlassen hatte

Junger Sperlingskauz, kurz, nachdem er seine Bruthöhle verlassen hatte

Mitte Juni im Wald der Sperlingskauze

Drei Wochen ist es her, dass ich letztmalig meine Sperlingskauze besucht habe. Ich hatte schon die Befürchtung meine Spauze seien ausgeflogen und ich treffe eine verwaiste Höhle an, aber dem ist nicht so.

Mittlerweile ist Frau Sperlingskauz fleißig damit beschäftigt, für die hungrige Bande Nahrung herbei zu schaffen. Sie hält sich nur noch selten länger in der Höhle auf und bedient sich dabei aus einem Vorrat, den das Männchen an mehreren Stellen im Dickicht und dem Rupfplatz, der markanten Lärche, angelegt hat. Nachdem sie die Beute in die Höhle gebracht hat, putzt sie den Brutraum, schmeißt Federn hinaus und trägt größere Brocken Unverdauliches ausserhalb der Höhle entfernt ab, um Feinden keinen Hinweis auf die Höhle zu geben.

Altvogel nach der Fütterung

Altvogel nach der Fütterung

Sobald die Höhle wieder sauber ist, sitzt sie rufend am Rupfplatz und versucht durch ihren viependen Gesang den Nachwuchs zum Ausfliegen zu annimieren, der immer mal wieder im Höhlenloch erscheint, um einen erstaunt verstohlenen Blick in eine neue Welt zu werfen. Der Tag des verlassens der Höhle rückt näher.

Junger Sperlingskauz wagt den Blick in eine neue Welt

Junger Sperlingskauz wagt den Blick in eine neue Welt

Mit der Höhlenkamera des LVE haben wir heute mindestens fünf kleine Sperlingskauze sehen können. Ein schönes Gefühl, dass es die Kleinen so weit geschafft haben.